Welche Rendite- und Risikoannahmen sind für Portfolio-Simulationen plausibel?
Orientierungswerte für Rendite und Volatilität in parametrischen Monte-Carlo-Simulationen – mit klarer Trennung zwischen illustrativen Szenarioannahmen und historisch gemessenen Kennzahlen.
Monte-Carlo-Simulationen benötigen Annahmen über Rendite und Schwankungsbreite. Die folgenden Werte sind illustrative Szenarioannahmen für Modellrechnungen. Sie sind keine Renditeprognosen und keine Anlageberatung.
Szenarioannahmen und historische Werte sind nicht dasselbe
Historisch gemessene Werte beziehen sich auf einen konkreten Index, Zeitraum, eine Währung und einen bestimmten Renditetyp. Ändert sich das Beobachtungsfenster, kann sich auch die gemessene Rendite oder Volatilität deutlich ändern.
Szenarioannahmen sind dagegen bewusst gerundete Testwerte für den parametrischen Monte-Carlo-Rechner. Sie beschreiben das zu untersuchende Modell und stellen keine Erwartung für die Zukunft dar.
Alle Renditeannahmen der folgenden Beispiele sind nominal pro Jahr vor Gebühren und Inflation. Volatilität bezeichnet die annualisierte Standardabweichung der nominalen Renditen. Bei Mischportfolios wird regelmäßiges Rebalancing vorausgesetzt.
Beispiel-Presets für Simulationen
Geldmarkt / kurzfristige Einlagen
Beispiel-Allokation: 100 % kurzfristige Einlagen in Modellwährung
Angenommene nominale Rendite: 2,5 % p. a.
Angenommene Volatilität: 1 % p. a.
Empfindlichkeit: Rendite 1–4 %, Volatilität 0–2 %. Nominal stabile Einlagen; Zinsänderungs- und Inflationsrisiko separat betrachten.
Anleihebetont
Beispiel-Allokation: 20 % globale Aktien / 80 % hochwertige Anleihen
Angenommene nominale Rendite: 4,0 % p. a.
Angenommene Volatilität: 6 % p. a.
Empfindlichkeit Volatilität: 4–10 %. Duration, Bonität und Währungsabsicherung beeinflussen das Risiko.
Defensives Mischportfolio
Beispiel-Allokation: 40 % globale Aktien / 60 % hochwertige Anleihen
Angenommene nominale Rendite: 5,0 % p. a.
Angenommene Volatilität: 8 % p. a.
Empfindlichkeit Volatilität: 6–12 %. Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen können sich insbesondere in Inflationskrisen verändern.
Ausgewogenes Mischportfolio
Beispiel-Allokation: 60 % globale Aktien / 40 % hochwertige Anleihen
Angenommene nominale Rendite: 6,0 % p. a.
Angenommene Volatilität: 11 % p. a.
Empfindlichkeit Volatilität: 9–15 %. Nützlicher Vergleichsfall für Anspar- und Entnahmesimulationen.
Aktienbetontes Mischportfolio
Beispiel-Allokation: 80 % globale Aktien / 20 % hochwertige Anleihen
Angenommene nominale Rendite: 6,5 % p. a.
Angenommene Volatilität: 14 % p. a.
Empfindlichkeit Volatilität: 11–18 %. Größere Drawdowns als bei einem 60/40-Portfolio sind möglich.
Globale Aktien
Beispiel-Allokation: 100 % entwickelte Märkte, breit gestreut
Angenommene nominale Rendite: 7,0 % p. a.
Angenommene Volatilität: 16 % p. a.
Empfindlichkeit Volatilität: 14–20 %. Näherung für ein breit gestreutes Aktienportfolio, keine garantierte Rendite.
US-Aktien
Beispiel-Allokation: 100 % breit gestreuter US-Aktienmarkt
Angenommene nominale Rendite: 7,0 % p. a.
Angenommene Volatilität: 17 % p. a.
Empfindlichkeit Volatilität: 15–22 %. US-spezifische Konzentrations- und Bewertungsrisiken beachten.
Schwellenländer-Aktien
Beispiel-Allokation: 100 % Emerging Markets
Angenommene nominale Rendite: 7,0 % p. a.
Angenommene Volatilität: 20 % p. a.
Empfindlichkeit Volatilität: 17–25 %. Höhere Länder-, Währungs- und politische Risiken.
Aktien mit höherem Risiko
Beispiel-Allokation: 100 % konzentriertes Aktienportfolio
Angenommene nominale Rendite: 7,0 % p. a.
Angenommene Volatilität: 25 % p. a.
Empfindlichkeit Volatilität: 20–35 %. Generisches Stressszenario, nicht als Benchmark gedacht.
Wichtig: Diese Werte sind illustrative Modell-Presets. Sie wurden nicht aus den unten genannten Quellen als zukünftige Renditeprognosen abgeleitet. Die Eingabewerte sollten für das tatsächlich untersuchte Portfolio angepasst und Sensitivitätsanalysen durchgeführt werden.
Historische Anker zur Einordnung
MSCI World
Für den MSCI World in USD wurde für die zehn Jahre bis 31.08.2026 eine annualisierte Volatilität von 14,86 % ausgewiesen. Für andere Zeitfenster ergeben sich andere Werte. Ein historischer Messwert ist keine langfristige Prognose.
Ein MSCI-Factsheet mit Datenstand 30.04.2026 weist für ein anderes Zehnjahresfenster 15,91 % aus. Das verdeutlicht, wie stark Kennzahlen vom Stichtag, Beobachtungsfenster und der verwendeten Methodik abhängen können.
Historische Monatsreihen
Die Kenneth R. French Data Library stellt historische Monatsreihen unter anderem für den US-Markt, entwickelte Märkte und Emerging Markets bereit. Rendite und Volatilität sollten für den jeweils tatsächlich verwendeten Datensatz separat berechnet werden.
Warum bei Mischportfolios die Gewichte nicht ausreichen
Die Volatilität eines Portfolios hängt nicht nur von den Volatilitäten der einzelnen Anlageklassen ab, sondern auch von deren Korrelation.
sigma_portfolio = sqrt(wA² × sigmaA² + wB² × sigmaB² + 2 × wA × wB × sigmaA × sigmaB × rhoAB)
Beispiel: Bei 60 % Aktien mit 16 % Volatilität und 40 % Anleihen mit 6 % Volatilität beträgt die Portfolio-Volatilität bei einer Korrelation von 0 ungefähr 9,9 %, bei +0,5 ungefähr 11,0 % und bei −0,3 ungefähr 9,2 %. Die im 60/40-Preset verwendeten 11 % sind daher eine Modellannahme und keine unveränderliche Eigenschaft eines 60/40-Portfolios.
Verwendung im RedneckWorks-Simulator
Ein Portfolio-Preset übernimmt Rendite und Volatilität nur als Ausgangspunkt. Die Eingabefelder bleiben editierbar.
Im UI sollte sichtbar stehen: „Illustrative Annahmen, keine Prognose. Bitte an das eigene Portfolio anpassen.“
Szenarioannahmen und historisch gemessene Werte werden fachlich getrennt behandelt.
Beim historischen Bootstrap werden die tatsächlichen Monatsrenditen des ausgewählten Datensatzes verwendet.
Währung, nominal/real, Gebühren, Inflation, Dividenden, Zeitraum, Datenstand und Rebalancing sollten transparent ausgewiesen werden.
Vergleichsläufe können mit identischem Seed und gleicher Pfadanzahl durchgeführt werden. Ein identischer Seed macht die zugrunde liegenden Annahmen jedoch nicht realistischer.
Methodische Hinweise
Historische Monatsrenditen auf Lücken, Ausreißer, Währung, Dividenden, Inflation und Nutzungsrechte prüfen.
Historische Volatilität transparent als std(monatliche Renditen, ddof=1) × sqrt(12) berechnen und das Beobachtungsfenster nennen.
Geometrische annualisierte Rendite und arithmetisches Mittel getrennt ausweisen.
Mischportfolios aus synchronisierten Monatsreihen unter Berücksichtigung von Korrelation und Rebalancing berechnen.
Für Entnahmesimulationen Sequenzrisiko, Extremverluste und unterschiedliche Inflationsregime berücksichtigen.
Den inversen Solver mit hoher Pfadanzahl und dokumentiertem Seed auf Stabilität prüfen. Eine reproduzierte Modellquote ist keine reale Erfolgswahrscheinlichkeit.
Quellen
MSCI World Index Factsheet – April 2026
Kenneth R. French Data Library
Vanguard – Model Portfolio Allocation
Vanguard – Global 60/40 Portfolio
Stand der Zusammenstellung: 27.09.2026. Vor einer Übernahme in produktive Defaults sollten Datenstand und Methodik erneut geprüft werden.